William Orbit
William Orbit

Nachdem im Netz in den vergangenen Tagen bereits Gerüchte über den Tod von Musiker und Produzent William Orbit aufgetaucht waren gibt es nun leider traurige Gewissheit. Auf dem offiziellen Instagram-Account von William Orbit wurde heute ein Post dazu veröffentlicht.

Es gibt Produzenten, die einem Album ihren Sound geben. Und es gibt Produzenten, die gemeinsam mit einer Künstlerin einen Moment erschaffen, der Popgeschichte schreibt. William Orbit gehörte zur zweiten Kategorie.

Für Madonna-Fans wird sein Name für immer untrennbar mit drei Worten verbunden bleiben: Ray of Light.

Als Madonna und William Orbit Ende der 1990er-Jahre gemeinsam ins Studio gingen, befand sich Madonna einmal mehr an einem Wendepunkt ihrer Karriere. Sie war Mutter geworden, hatte mit dem Film Evita eine neue künstlerische Seite gezeigt und begann, sich intensiv mit Spiritualität und der eigenen Rolle im Leben auseinanderzusetzen. Für dieses neue Kapitel brauchte sie auch einen neuen Sound. Und dann kam William Orbit.

Seine elektronischen Klangwelten, flirrenden Synthesizer, ungewöhnlichen Strukturen und beinahe schwerelosen Sounds trafen auf Madonnas Melodien, Texte und unverwechselbare Stimme. Gemeinsam erschufen sie 1998 mit Ray of Light ein Album, das sich von allem unterschied, was Madonna zuvor veröffentlicht hatte.

Schon die ersten Sekunden von „Drowned World/Substitute for Love“ machten deutlich: Hier begann etwas Neues.

Mit Songs wie „Frozen“, „Nothing Really Matters“, „The Power of Good-Bye“ oder dem euphorischen Titelsong „Ray of Light“ entstand eine faszinierende Mischung aus Electronica, Dance, Ambient und Pop. Orbit ließ Madonna Raum. Ihre Stimme durfte atmen, manchmal zerbrechlich klingen, dann wieder kraftvoll über gewaltigen elektronischen Klanglandschaften schweben.

Ray of Light wurde zu einem der größten künstlerischen Triumphe ihrer Karriere und gilt bis heute als eines der wichtigsten Popalben der 1990er-Jahre. Madonna bewies damit einmal mehr ihre Fähigkeit, musikalische Entwicklungen nicht einfach zu übernehmen, sondern gemeinsam mit den richtigen Menschen daraus etwas Eigenständiges zu erschaffen.

Die Geschichte von Madonna und William Orbit ging anschließend weiter. Mit „Beautiful Stranger“ lieferten sie 1999 einen der charmantesten und psychedelischsten Madonna-Songs überhaupt. Auch für Madonnas Album Music arbeiteten beide erneut zusammen.

Mehr als zehn Jahre später fanden sie für MDNA wieder zueinander. Orbit wirkte unter anderem an „Love Spent“, „Falling Free“ und „Masterpiece“ mit. Gerade diese Songs erinnerten daran, welche besondere Chemie zwischen den beiden herrschte, wenn Madonna ihre nachdenklichere Seite zeigte und Orbit dafür die passenden Klangwelten erschuf.

William Orbit war dabei nie der Produzent, der sich vor die Künstlerin drängte. Vielleicht funktionierte gerade deshalb ihre Zusammenarbeit so gut. Seine Musik konnte riesig und gleichzeitig intim sein, elektronisch und trotzdem warm, experimentell und dennoch unmittelbar emotional.

Mit seinem Tod verliert die Musikwelt einen außergewöhnlichen Musiker und Produzenten. Für Madonna-Fans verliert sie aber auch einen Mann, der an einem der wahrscheinlich schönsten und wichtigsten Kapitel ihrer Karriere entscheidend beteiligt war.

Wenn heute die ersten Töne von „Drowned World“ erklingen, wenn die Streicher von „Frozen“ einsetzen oder „Ray of Light“ plötzlich mit voller Geschwindigkeit davonrast, hört man nicht nur Madonna.

Man hört auch William Orbit.

Und vielleicht ist genau das das schönste Vermächtnis, das ein Produzent hinterlassen kann.

Thank you for the music, William.

Von Ingo