Über viele Jahre gehörten sie zu Madonna wie spektakuläre Bühnenbilder, provokante Inszenierungen und ständig neue Looks: Niki Haris und Donna DeLory. Als Backgroundsängerinnen waren sie weit mehr als nur Stimmen aus der zweiten Reihe. Sie wurden zu einem festen Bestandteil von Madonnas Shows – und für viele Fans zu Stars mit ganz eigener Strahlkraft.
Wer an Madonnas große Tourneen der späten 1980er- und 1990er-Jahre zurückdenkt, erinnert sich nicht nur an Madonna selbst. Da waren auch diese beiden Frauen an ihrer Seite: Niki Haris mit ihrer kraftvollen, temperamentvollen Bühnenpräsenz und Donna DeLory mit ihrer klaren, warmen Stimme. Gemeinsam prägten sie über Jahre hinweg den Live-Sound einer der aufregendsten Phasen in Madonnas Karriere.
Niki Haris – Energie, Soul und Persönlichkeit
Niki Haris kam 1987 zu Madonna und war erstmals während der Who’s That Girl World Tour an ihrer Seite. Schnell wurde deutlich, dass Haris keine Backgroundsängerin war, die sich unauffällig am Bühnenrand verstecken würde.
Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme, ihrer Energie und ihrem Humor entwickelte sie sich zu einer wichtigen Bühnenpartnerin Madonnas. Besonders bei den großen Dance-Nummern verschmolzen Gesang, Choreografie und Interaktion miteinander. Haris war Sängerin, Tänzerin und Performerin zugleich.
Gerade diese sichtbare Vertrautheit machte ihren Reiz aus. Zwischen Madonna und Niki entstand auf der Bühne eine Chemie, die sich kaum inszenieren ließ. Kleine Blicke, spontane Gesten und spielerische Momente vermittelten immer wieder das Gefühl, hier würden nicht einfach nur zwei Künstlerinnen ein einstudiertes Programm absolvieren.
Donna DeLory komplettiert das Trio
Auch Donna DeLory kam 1987 hinzu, die Madonnas Musik über viele Jahre begleiten sollte. Während Niki oftmals für Soul, Power und temperamentvolle Akzente stand, ergänzte Donna den Sound mit einer weicheren und zugleich enorm sicheren Stimme. Zusammen mit Madonna entstand damit eines der wohl bekanntesten Gesangstrios der Popgeschichte jener Zeit.
Besonders deutlich wurde das während der Blond Ambition World Tour. Die Tour gilt bis heute als Meilenstein moderner Popkonzerte – und Niki und Donna waren mittendrin. Ob bei Express Yourself, Causing A Commotion, Holiday oder den zahlreichen Übergängen und Choreografien: Beide waren nicht einfach Begleitsängerinnen. Sie waren Teil der Geschichte, die Madonna auf der Bühne erzählte.
Spätestens durch den Konzertfilm Madonna: Truth or Dare, in Deutschland als In Bed with Madonna veröffentlicht, bekamen Fans zudem einen Eindruck von der Gemeinschaft hinter den Kulissen. Niki und Donna wurden dadurch auch jenseits der Bühne zu vertrauten Gesichtern des Madonna-Universums.

„Like a Prayer“ – drei Stimmen, ein besonderer Sound
Einer der schönsten Belege für die Bedeutung von Niki und Donna ist Like a Prayer. Gerade live wurde der Song durch die Backgroundstimmen immer wieder zu einem besonderen Erlebnis. Die Gospel-Einflüsse des Stücks boten beiden Sängerinnen die perfekte Gelegenheit, ihre Qualitäten auszuspielen. Madonnas Stimme stand im Mittelpunkt, doch die Harmonien und Antworten im Hintergrund verliehen dem Song zusätzliche Größe.
Das galt ebenso für viele andere Stücke. Die beiden Stimmen wurden über die Jahre so vertraut, dass sie für Fans beinahe selbstverständlich zum Klangbild von Madonna gehörten. Man hörte sie – und wusste sofort: Das ist Madonna live.
Von „Blond Ambition“ zu „The Girlie Show“
1993 standen Niki und Donna bei der The Girlie Show World Tour erneut gemeinsam mit Madonna auf der Bühne. Nach der provokanten Erotica-Ära präsentierte Madonna eine Show, die Cabaret, Disco, Burlesque und Clubkultur miteinander verband. Auch hier bekamen ihre Backgroundsängerinnen viel Raum.
Besonders legendär wurde zum einen die Performance von Holiday, bei der Madonna, Niki und Donna in einer ausgelassenen, beinahe revueartigen Inszenierung gemeinsam über die Bühne wirbelten. Die Grenzen zwischen Hauptstar, Tänzerinnen und Backgroundsängerinnen verschwammen dabei immer wieder. Ebenso in Erinnerung geblieben ist die wunderbare Version von Rain während dieser Show. Genau darin lag eine der großen Stärken dieser Konstellation: Niki und Donna unterstützten Madonna nicht nur musikalisch. Sie halfen dabei, eine eigene Bühnenwelt entstehen zu lassen.

Zwei unterschiedliche Persönlichkeiten
Dabei hätten Niki Haris und Donna DeLory kaum unterschiedlicher wirken können. Niki war häufig die explosive Kraft – laut, humorvoll, spontan und voller Soul. Donna strahlte dagegen oftmals eine ruhigere Eleganz aus und überzeugte durch ihre präzisen Harmonien und ihre warme Stimme.
Gemeinsam funktionierten diese Gegensätze hervorragend. Und Madonna wusste sie einzusetzen. Sie ließ ihre Backgroundsängerinnen sichtbar werden, gab ihnen eigene Momente und machte sie zu wiedererkennbaren Persönlichkeiten ihrer Shows. Für Fans wurden Niki und Donna deshalb irgendwann einfach zu „Niki & Donna“. Zwei Vornamen genügten.
Donna bleibt Madonna noch länger treu
Während sich die Wege von Madonna und Niki Haris nach den 1990er-Jahren zunächst trennten, blieb Donna DeLory noch länger Teil von Madonnas musikalischem Umfeld. Zunächst steuerte Madonna für Donnas erstes Soloalbum zu dem Song Just A Dream die Backingvocals bei – also quasi eine Zusammenarbeit mit entgegengesetzten Rollen.
Zudem begleitete sie Madonna auch während der Drowned World Tour und der Re-Invention World Tour. Damit schlug Donna eine Brücke zwischen verschiedenen Madonna-Epochen – von den ausgelassenen Popshows der Achtziger über „Blond Ambition“ und „The Girlie Show“ bis hin zur elektronischeren und spirituell geprägten Madonna der frühen 2000er-Jahre.
Parallel entwickelten sowohl Niki als auch Donna ihre eigenen musikalischen Karrieren. Gerade Donna DeLory veröffentlichte zahlreiche Soloarbeiten und wandte sich dabei zunehmend atmosphärischer, spirituell geprägter Musik zu.
Niki Haris wiederum arbeitete mit zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern wie beispielsweise SNAP! („Exterminate“ & „Do You See The Light“) zusammen und entwickelte ihre eigene Karriere zwischen Pop, Soul, Jazz und Dance weiter.
Langjährige Freundinnen
Niki & Donna sind noch immer eng befreundet. So treten sie heute noch gemeinsam bei Clubkonzerten auf. Sie haben eine gemeinsame EP namens Two Friends veröffentlicht, eine Coverversion von Rain und den gemeinsamen Song WATR (gemeinsam mit Tracy Young, welche diverse Remixe für Madonna-Songs angefertigt hat).

Mehr als Background
Die Bezeichnung „Backgroundsängerinnen“ wird Niki Haris und Donna DeLory deshalb eigentlich nur bedingt gerecht. Sie waren Stimmen, Tänzerinnen, Bühnenpartnerinnen und über Jahre hinweg wichtige Bestandteile von Madonnas Live-Identität. Besonders in einer Zeit, in der große Popshows zunehmend durch aufwendige Choreografien und visuelle Konzepte geprägt wurden, verliehen Niki und Donna den Konzerten etwas ausgesprochen Menschliches.
Vielleicht liegt genau darin der Grund, weshalb Madonna-Fans noch Jahrzehnte später so liebevoll über sie sprechen.
Man erinnert sich an ihre Stimmen. An ihre Choreografien. An das Lachen auf der Bühne. An „Holiday“. An „Like a Prayer“. An die „Blond Ambition Tour“. An „The Girlie Show“. Und natürlich an die Momente aus „In Bed with Madonna“.
Für eine ganze Generation von Fans waren sie deshalb niemals einfach nur die Frauen hinter Madonna.
